Mit Bluetooth gegen die Pandemie – wie Handydaten die Infektionsrate begrenzen können

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Von unseren Datenschutzexperten Webersohn & Schultz

 

Von über einhundert Experten aus insgesamt acht europäischen Ländern, darunter Epidemiologen, Informatiker und Psychologen werden bereits seit Anfang März Überlegungen angestellt, wie mittels Handydaten Infektionsketten wirksam bekämpft werden können. Dabei handelt es sich nicht um ein Regierungsprojekt, sondern um eine Initiative zu deren Verantwortlichen unter anderem das Robert-Koch-Institut oder das Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut für Nachrichtentechnik in Berlin zählen. Sie trägt den Namen „Pan European Privacy-Protecting Proximity Tracing“, kurz: PEPP-PT. Neben der konkreten Funktionsweise einer App, die Handydaten entsprechend auswertet, kreisten die Überlegungen vor allem auch um den Datenschutz. Anders als in China oder Israel ist man dabei besonders bestrebt, auf die Auswertung personenbezogener Daten zu verzichten. Nun stellte PEPP-PT eine konkrete Lösung vor, bei der die Funktechnik Bluetooth eine adäquate Lösung zu bieten scheint.

Die Funktionsweise

Mittlerweile sind alle gängigen Mobiltelefone mit Bluetooth ausgestattet. Dabei handelt es sich um eine auf der Funktechnik basierenden Möglichkeit Daten zwischen Geräten zu übertragen. In der Praxis dient Bluetooth meist zur Kopplung verschiedener Geräte wie Lautsprecher, Tastaturen oder Kopfhörer.  Dabei sucht das Ausgangsgerät nach kompatiblen Geräten in der Nähe. Doch auch ohne, dass ein bestimmtes Gerät gesucht wird, sind Mobiltelefone, sobald Bluetooth aktiviert ist, auch für andere Bluetooth-Geräte sichtbar. Zudem kann ausgelesen werden, wie lange die Verbindung anhielt und wie stark das Signal in dieser Zeit war. So lässt sich die Dauer und Nähe des Kontakts anhand bloßer Sachdaten relativ genau bestimmen. Auch etwa, ob eine Mauer oder Ähnliches zwischen den Geräten die Verbindung gestört hat, kann so nachvollzogen werden.

Wird nun bekannt, dass eine Person, die die entsprechende App auf dem Smartphone installiert hat an Corona erkrankt ist, können die Daten der App ausgewertet werden. So lässt sich nachvollziehen, mit welchen anderen Geräten, die ebenfalls diese App installiert haben, das Smartphone des Infizierten näheren Kontakt hatte. Je nach Dauer und Nähe des Kontakts kann dann das betroffene Gerät über die App darüber informiert werden, dass der begründete Verdacht besteht, der Nutzer des Gerätes könnte sich ebenfalls mit Covid-19 angesteckt haben. Dieses Vorgehen ermöglicht, weitere Infektionen frühzeitig zu erkennen und so längere Infektionsketten zu unterbrechen oder die Begründung neuer Ketten zu verhindern. Die Ausbreitung wird dadurch verringert.

Datenschutz

Besondere Beachtung bei der Entwicklung genießt der Datenschutz. Denn Ziel war es, möglichst ganz auf die Erhebung und weitere Verarbeitung personenbezogener Daten zu verzichten. Dem ersten Anschein nach ist dies auch gelungen. Allein was verarbeitet wird ist die Information, um welches Gerät es sich handelt und die Dauer und Nähe zum betroffenen Gerät. Weder der Name des Gerätes noch Standortdaten werden erfasst, sodass beispielweise das Erstellen von Bewegungsprofile nicht möglich ist. Bei der praktischen Umsetzung einer solchen App muss schließlich sichergestellt werden, dass nicht wieder mittelbar ein Personenbezug; beispielsweise über Playstore oder Applestore herstellbar ist. Auch bei der Verbreitung der App in der Bevölkerung gilt es also, genau darauf zu achten, wie sich die Anonymisierung umsetzen lässt.

Darüber hinaus soll die Nutzung der App auf freiwilliger Basis geschehen und die Speicherdauer auf 21 Tage begrenzt werden. Dies bietet zusätzlichen Schutz und soll garantieren, dass die so erhobenen Daten zu keinem anderen Zweck als zur Eindämmung der Pandemie genutzt werden können.

Fazit

In Gesellschaft und Politik stoßt das Projekt nahezu kritiklos auf Begeisterung. Vertreter sämtlicher Parteien sowie sonst eher kritisch eingestellte Vereine wie der Chaos Computer Club begrüßten die konkrete Umsetzung des Projekts als sinnvolle und den Datenschutz respektierende Lösung. Und dennoch ist angesichts des allgemeinen Konsens Vorsicht geboten. Zunächst muss die Wirksamkeit einer solchen App abgewartet werden. Da ihre Nutzung auf freiwilliger Basis erfolgt, ist diese nicht sicher abzusehen. Schließlich liegt in einer solchen App kein Allheilmittel und es wäre gefährlich allzu leichtgläubig auf technische Lösungen zu vertrauen. Diese können die politischen Maßnahmen immer nur ergänzen, nicht aber ersetzen.

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